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28.10.2025

Barrierefrei mit Overlay Tool?

Einfach einbinden und zack ist die Websites barrierefrei? Viele Overlay Tools versprechen sehr viel mehr, als sie halten können.

Sie kommen in Form von kleinen "Ampelmännchen" in verschiedenen Ausgestaltungen und versprechen, Ihre Website innerhalb kürzester Zeit barrierefrei zu machen. Einfach Script einbinden und loslegen. Und sie bieten eine beeindruckende Vielzahl an Funktionen: Kontrast, Schriftgröße, Bilder aus- oder einblenden, Blaufilter, Nachtmodus, Vorlesefunktion und und und.

Das klingt alles erst einmal vielversprechend. Es verspricht wenig Arbeit und optimalen Nutzen. Und die Referenzen lesen sich super, also warum nicht zugreifen?

Die Ernüchterung kommt mit dem Prüfbericht über die Barrierefreiheit der Seite, denn: Tatsächlich machen diese Tools die Website nicht barrierefrei. In einigen Fällen ist es sogar so, dass die Tools die Zugänglichkeit für bestimmte Nutzergruppen erschweren können, statt sie zu verbessern. Der Ausschuss für barrierefreie Informationstechnik gemäß § 5 BITV 2.0 und die Überwachungsstellen empfehlen den Einsatz nachdrücklich nicht und weisen darauf hin:


"Der Ausschuss stellt mit Besorgnis fest, dass öffentliche Stellen weiterhin versuchen ihre Verpflichtungen zur barrierefreien Gestaltung ihrer Websites ... dadurch nachzukommen, dass sie auf ihren Webauftritten sogenannte Overlay-Tools einbinden... Der Ausschuss weist darauf hin, dass Webauftritte öffentlicher Stellen nur barrierefrei sind, wenn sie die sich aus der Richtlinie (EU) 2016/2102 ergebenden Anforderungen zur Barrierefreiheit auch ohne die Verwendung von Overlay-Tools erfüllen."

Quelle: Publikation der Überwachungsstelle des Bundes für barrierefreie Informationstechnik


Angebote für Nutzende Assistiver Technologien erschwert

Um einen Hauptkritikpunkt herauszugreifen: Viele Overlay Tools ermöglichen Nutzern, die auf die Verwendung von Assistenz-Hardware / Software angewiesen sind, den Zugang zur Website nicht über die vom Nutzer eingesetzte Hard- / Software, sondern verdonnern sie quasi dazu, das Tool der Website erst einmal für ihre Zwecke zu konfigurieren, um dann surfen zu können.

Ein Vergleich zur Verdeutlichung: Wenn Sie auf einen Rollstuhl angewiesen sind, dürfen Sie erwarten, in Ihrem eigenen Rollstuhl in ein Restaurant oder Geschäft eingelassen zu werden. Stellen Sie sich vor, Sie müssen statt dessen am Eingang in ein anderes Gefährt umsteigen und dieses zunächst auf Ihre Bedürfnisse einstellen, weil ihr eigenes, individuell auf Sie optimiertes und Ihnen vertrautes Hilfsmittel blockiert wird.

Wer technische Hilfsmittel benötigt, um im Internet zu surfen, möchte ebenso ungehindert mit seinen gewohnten Hilfsmitteln auf jede beliebige Website gehen und surfen können, ohne sich jedes Mal andere Tools konfigurieren zu müssen. Oft aber wird exakt diesen Hilfsmitteln von Overlay Tools der Zugang zur Website erschwert.

Darüber hinaus können die Tools fehlerhaften Quellcode maximal kaschieren, nicht aber reparieren und die zum Einsatz kommende KI kann maximal versuchen, ein Bild korrekt zu beschreiben. Sie kann erkennen, ob Überschriften eingesetzt werden, nicht jedoch ob diese aussagekräftig, logisch und korrekt strukturiert sind usw. Natürlich könnte an dieser Stelle auch noch ein kleiner Roman zum Thema Datenschutz und Cookie-Banner folgen :)

Eine Verwaltungsmitarbeiterin erzählte mir von einer Schulung eines der Anbieter und sagte: "Ist ganz einfach. Wenn das Männchen blau leuchtet, ist alles paletti." Leider ist genau das aber nicht der Fall.

Vertiefende Links zum Thema:


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